Ob Neuwagen oder Gebrauchtwagen: Was Sie beim Autokauf beachten sollten

Nicht alle Tage kauft man ein Auto. Der Autokauf will gut überlegt sein, sowohl beim Neuwagen als auch beim Gebrauchten. Da gilt vor allem eine Regel: Immer mit der Ruhe!

Hoher Spritverbrauch, störrische Sicherheitsgurte und elektronische Funktionen, die zunehmend machen, was sie wollen – Annika und Murat Akgül können es einfach nicht mehr leugnen: Ihr blauer Familien-Van ist in die Jahre gekommen. Das Ehepaar beschließt daher, sich um Ersatz zu kümmern. Es soll wieder ein Neuwagen sein. Da der letzte Autokauf schon einige Zeit her ist, wollen sie erst einmal genau recherchieren

BITTE MIT SYSTEM: SCHRITT FÜR SCHRITT ZUM TRAUMAUTO

Gut informiert in den Autokauf zu gehen, ist die halbe Miete. Damit machen die Akgüls zu Beginn des Projekts „Neuwagen“ schon einmal alles richtig. Ein Neuwagen aus dem Autohaus soll es sein. Dabei sind diese ersten Schritte hilfreich:

  • Denken Sie darüber nach, was Sie eigentlich suchen. Welche technischen Funktionen sind Ihnen wichtig? Wie groß soll der Wagen sein? Wieviel Luxus brauchen Sie?
  • Legen Sie Ihr Budget fest. Wenn Sie Ihr absolutes Limit kennen, sind Sie weniger anfällig für Extrawünsche, die eigentlich unnötig sind.
  • Recherchieren Sie Angebote in den Autohäusern Ihrer Region und im Internet. Nutzen Sie online auch Vergleichsportale, um ein Gefühl für die Preisspanne zu bekommen, in der sich Ihr Wunschauto bewegt.
  • Vereinbaren Sie einen Beratungstermin im Autohaus, damit Sie sich ihr Traumauto in Ruhe aussuchen und bestens beraten werden können.

DAS AUTOHAUS: DARAUF SOLLTEN SIE ACHTEN

Wohl jeder wünscht sich ein faires Verkaufsgespräch. Im Autohaus sollten Sie ausreichend Möglichkeit bekommen, sich das Auto anzuschauen, sich ans Steuer zu setzen – und insbesondere auch eine Probefahrt mit dem Wagen zu machen. Bevor Sie auf Spritztour gehen, sollten Sie sich genau über die Versicherungskonditionen im Schadensfall informieren. Es gibt Zusatzversicherungen für die Probefahrt, mit denen Sie für wenige Euro einen eventuellen Selbstbehalt absichern können.

DER PREIS: SO HOLEN SIE DAS BESTE FÜR SICH RAUS

Viele Faktoren nehmen Einfluss darauf, welche Summe am Ende im Kaufvertrag steht. Hier einige Tipps, mit denen Sie das Ergebnis positiv beeinflussen können:

  • Wenn Sie Ihren „Alten“ in Zahlung geben, machen Sie ihn vorher nochmal ordentlich sauber.
  • Ihnen ist es nicht so wichtig, die neueste Generation Ihres Wunschmodells zu kaufen? Dann schlagen Sie zu, wenn der Generationswechsel kurz bevorsteht. Das Vorgängermodell wird dann häufig günstiger.
  • Lassen Sie sich im Autohaus beraten, ob eine Barzahlung für Sie sinnvoll ist oder ob Sie mit Finanzierung oder Leasing besser fahren.
  • Vergessen Sie nicht, nach den Überführungskosten zu fragen. Diese können sehr hoch liegen und Verhandlungserfolge relativieren.

VOR ORT: SO SOLLTE DIE BESICHTIGUNG DES GEBRAUCHTWAGENS ABLAUFEN

Es gibt unheimlich viele Punkte, auf die beim Kauf eines Gebrauchten zu achten ist. Auf der Website eines Automobilclubs hat Karola Hermes für den Besichtigungstermin eine Checkliste heruntergeladen, mit der sie den Zustand des Autos systematisch prüfen kann. Zum Termin begleitet sie außerdem eine Bekannte, die Kfz-Mechanikerin ist. Professionelle Hilfe sollte sich nach Möglichkeit jeder organisieren, der ein gebrauchtes Fahrzeug kaufen möchte.

Wer sich einen Gebrauchtwagen anschaut, sollte folgende Punkte beachten:

ORT UND ZEIT

Die Besichtigung sollte im Hellen und Trockenen stattfinden. Schlechtes Licht und Nässe können die Augen über Schäden hinwegtäuschen. Das Fahrzeug sollte sauber sein, damit der Zustand von Lack, Karosserie und Innenraum gut einschätzbar ist. Außerdem sollte der Wagen nicht gerade gefahren worden sein.

VERKÄUFER

Hören Sie hier immer auf Ihr Bauchgefühl. Werden Sie misstrauisch, wenn der Anbieter anfängt, Druck zu machen. Wer drängelt, hat möglicherweise keine seriösen Absichten. Auch hinter ständigen Ablenkungen, während Sie sich das Auto anschauen, kann System stecken. Ausweichende oder unpräzise Antworten auf Fragen sind ebenfalls ein Alarmsignal. Oder, wenn der Verkäufer erst auf Nachfrage frühere Schäden eingesteht.

VERKAPPTE PROFIS

Wenn der Verkäufer Sie bei der Kontaktaufnahme fragt, für welches Auto Sie sich interessieren, kann es sich um einen verkappten Händler handeln. Weitere Indizien dafür sind rote Nummernschilder am Fahrzeug, mit Reifenfarbe geschwärzte Reifenflanken oder dass der Anbieter nicht als Eigentümer im Fahrzeugbrief eingetragen ist. Auf diese Weise soll die für Händler verpflichtende Sachmängelhaftung umgangen werden.

KAROSSERIE

Matte Stellen, Farbunterschiede oder unregelmäßige Abstände zwischen zwei Bauteilen – zum Beispiel an den Spalten rund um die Türen oder zwischen Motorhaube und Kotflügel – deuten auf einen Unfall hin, der auch die Karosserie verzogen hat. Prüfen Sie, ob auf dem Boden unter dem Auto Tropfen von Flüssigkeit zu sehen sind.

INNENRAUM

Halten Sie im Kofferraum, unter Teppichen oder im Radkasten nach feuchten oder rostigen Stellen Ausschau. Rost versteckt sich häufig auch an den Unterseiten von Türen oder Heckklappen. Verschlissene Sitze und abgegriffene Lenker deuten auf sehr viele gefahrene Kilometer hin. Machen Sie den Geruchstest: Riecht es muffig im Auto, gibt es wahrscheinlich irgendwo eine undichte Stelle. Lassen Sie sich nicht von einem zu frischen Duft hinters Licht führen. Es gibt spezielle Pflegemittel und Sprays, die Altersspuren überspielen sollen. Testen Sie elektrische Funktionen wie Zentralverriegelung, Fensterheber, Sitzheizung, Radio oder Klimaanlage, aber auch die Sicherheitsgurte.

PAPIERE

Hatte das Auto laut Fahrzeugbrief in wenigen Jahren viele Besitzer, macht das keinen guten Eindruck. Eventuell wollten die Eigentümer es wegen häufig anfallender Reparaturen schnell wieder loswerden. Ebenso verdächtig ist es, wenn der Verkäufer den Wagen nicht lange selbst gefahren hat. Das Inspektions-Scheckheft sollte lückenlos gefüllt sein und der Bericht von der letzten Hauptuntersuchung vorliegen. Vorsicht, wenn es nicht mehr lange bis zum nächsten HU-Termin ist. Dann soll das Auto vielleicht noch vorher weg.

MOTORRAUM

Blitzt und blinkt der Motor, kann es sein, dass mit einer Motorwäsche Schäden kaschiert werden sollen. Ölverschmiert sollte der Motor jedoch auch nicht sein. Ist das Kühlwasser im Ausgleichsbehälter trüb, ist höchstwahrscheinlich die Zylinderkopfdichtung kaputt. Überprüfen Sie Gummibauteile auf Schäden wie Risse. Das Flüssigkeitsniveau im Bremsflüssigkeitsbehälter muss ordnungsgemäß sein. Beim Anlassen sollte sich der Motor gut anhören. Ob er auffällige Geräusche macht, kann letztendlich nur ein Experte oder eine Expertin heraushören. Kommt der Gebrauchtwagen für Sie in die engere Auswahl, sollten Sie einen professionellen Gebrauchtwagen-Check vorschlagen.

PROBEFAHRT

Darauf dürfen Sie auf keinen Fall verzichten. Achten Sie unter anderem darauf, ob der Motor einwandfrei anspringt und das Auto auf ebener Fahrbahn exakt geradeaus fährt. Auch das ist wichtig: Reagiert das Auto gut auf Bewegungen des Lenkrads? Lassen sich die Gänge leicht einlegen? Halten Sie auf einem Parkplatz an und begutachten Sie den Wagen ganz ungestört. Tipp: Berühren Sie nach der Fahrt die Felgen. Sind sie übermäßig erhitzt, kann das ein Zeichen für Probleme mit der Bremsmechanik sein. Mit einem Probefahrtschutz sollten Sie sich gegen hohe Kosten absichern, falls es zu einem Unfall kommt.

ABSCHLUSS

Sind Sie sich mit dem Verkäufer einig geworden, schließen Sie einen schriftlichen Vertrag ab. Es gibt viele Vordrucke im Internet, die Sie dafür verwenden können. Bezahlen Sie erst, wenn Ihnen zum Fahrzeug alle Fahrzeugpapiere im Original, Schlüssel sowie HU-/AU-Bescheinigung vorliegen. Halten Sie alles in einem Übergabeprotokoll schriftlich fest.

Weitere Tricks und Tipps für den Kauf eines Gebrauchtwagens

  • Tachomanipulationen sind laut Angaben der Polizei in Deutschland gang und gäbe. Den Kilometerstand zu reduzieren, ist technisch sehr einfach. Es macht daher immer Sinn, die gefahrenen Kilometer ins Verhältnis zum augenscheinlichen Verschleiß zu setzen. Eventuell offenbart auch ein Ölwechsel-Anhänger im Motorraum, dass mit dem Tachostand etwas nicht stimmen kann.
  • Lassen Sie die Finger von getunten Autos. Sie sind in der Regel nicht schonend gefahren worden. Bauteile wie ein Unterbodenschutz oder Türschweller versperren Ihnen zudem den Blick und können rostige Stellen oder Schäden verdecken.
  • Schauen Sie in die ADAC-Pannenstatistik, um zu sehen, welche Automodelle zuverlässig sind. Das empfiehlt sich auch vor dem Kauf eines Neuwagens.
  • Nehmen Sie einen schwachen Magneten zum Besichtigungstermin mit. Wenn Sie den Verdacht haben, dass an einer Stelle ein Lackschaden repariert wurde, haftet dieser wegen der Spachtelmasse dort nicht am Auto.

ENDE GUT, ALLES GUT

Karola Hermes ist schnell fündig geworden. Ihre erste Fahrt macht sie zum Supermarkt. Großeinkauf. Sie freut sich, dass sie die Tüten endlich nicht mehr mit den Öffentlichen nach Hause transportieren muss.

Währenddessen planen Annika und Murat Akgül mit ihren Kindern den Sommerurlaub. Das neue Auto wird ein paar Wochen vor den Ferien geliefert. Alle sind erleichtert, dass sie sich dieses Jahr auf der langen Fahrt weniger Sorgen um mögliche Pannen machen müssen.